Ein Monat im Historischen Museum der Stadt Krakau

Vor dem Krzysztofory Palast am Markt
Vor dem Krzysztofory Palast am Markt in Krakau.

 

Seit einigen Jahren besteht zwischen dem Historischen Museum der Stadt Krakau und dem Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig aufgrund der Städtepartnerschaft eine enge Kooperation. Diese Zusammenarbeit ermöglichte bereits zwei Museumsmitarbeiterinnen aus Leipzig das Historische Museum in Krakau zu besuchen und zu erleben. Im Juli 2018 hatte auch ich das große Glück, für einen Monat in dieser kultur- und geschichtsträchtigen Stadt zu leben und die polnische Museumswelt ein wenig besser kennenzulernen.

 

 

Das Historische Museum Krakau umfasst derzeit 17 Museen und zählt somit zu den größten Museen in Polen. Die unterschiedlichen Häuser wie zum Beispiel die Oskar Schindler Fabrik (Thema: Krakau während der Besatzung 1939–1945), die alten Stadtmauern, das Museum zur Geschichte des Stadtviertels Nowa Huta oder die Alte Synagoge, geben auf sehr vielfältige Art und Weise Einblick in die Stadtgeschichte Krakaus. So unterschiedlich die Themen sind, umso mannigfaltiger sind die Ausstellungen aufbereitet.

 

Während des Museumsaustauschs wurde ich hervorragend von Michał und Daniel aus der Abteilung Internationale Beziehungen betreut. Das Programm, das von den beiden ausgearbeitet wurde, beinhaltete tägliche Besuche der unterschiedlichen Museumsabteilungen und Häuser mit Führungen und anschließenden persönlichen Gesprächen. Der direkte Austausch mit den Museumsmitarbeitern war unbeschreiblich intensiv, sodass ich durch die ausführlichen Erklärungen und Diskussionen viel über die Stadt Krakau und deren Geschichte sowie über das Museum lernen konnte. Ich habe mich sehr wohlgefühlt, was auf jeden Fall an den hilfsbereiten und zuvorkommenden Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Museums gelegen hat. Häufig wurde in den Gesprächen auch nach Gemeinsamkeiten von Aufgaben und Abteilungen des Stadtgeschichtlichen Museums in Leipzig sowie der Kulturpolitik gesucht. Es war überaus aufschluss- und lehrreich für mich, die Organisation und die Funktion des Historischen Museum der Stadt Krakau nachvollziehen zu können.

Ansicht der Alten Synagoge in Krakau.
Ansicht der Alten Synagoge in Krakau.

Ergänzend zu den Ausstellungsbesuchen hatte ich auch die Möglichkeit, in die verschiedensten Abteilungen des Museums Einblick zu erhalten. So besuchte ich bereits am zweiten Tag die Direktionsassistentin und die Kollegen aus der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit oder später die Abteilung der Fotografie, der Digitalisierung sowie die Abteilungen für Strategien und Werbung.

Neben den Häusern und Abteilungen des Stadthistorischen Museums hatte ich darüber hinaus auch ausreichend Gelegenheit, andere kulturelle Institutionen und Museen zu besuchen und mir ein Bild von diesen zu machen. Michał und Daniel begleiteten mich gelegentlich auch bei den Museumsbesuchen, wodurch ich einiges über die Museumslandschaft in Krakau lernte und weitere Ausstellungstipps erhielt. Die Dichte und Fülle an Museen und insbesondere der eigenen Häuser des Historischen Museums waren für mich sehr beeindruckend. Von einer derartigen Personalstruktur (ca. 320 Mitarbeiter, inklusive 100 Aufsichten) für die jeweiligen Museumshäuser können viele Institutionen in Deutschland nur träumen.

 

Die flauschige Museumskatze Wlodek.
Die flauschige Museumskatze Wlodek.

 

Als mein kleines, persönliches Highlight kann ich auf jeden Fall die Bekanntschaft mit der Museumskatze Włodek im Haus Zwierzyniecki, das sich mit der Geschichte des Stadtteils Zwierzyniec auseinandersetzt, nennen. Aufgrund der Infrastruktur des Hauses ist es möglich, die Katze im Haus zu halten und als Museumsmaskottchen einzusetzen, insbesondere auf Facebook. Besonders beliebt sind wohl die Schmuseeinheiten während der Führungen.

 

 

Aus fachlicher Sicht war der Besuch des Thesaurus Cracoviensis einer meiner zahlreichen Höhepunkte während dieses Besuches. Der Thesaurus Cracoviensis ist ein großes Schaudepot, in welchem die gesamte Sammlung des Museums untergebracht wird. Nach zehn Jahren Überlegungen, Konzeptionen, Baumaßnahmen und Zusammenführung der Sammlungen wurde im Winter 2017 auf 2000 qm ein weiterer Standort des Museums eröffnet. Zudem sind hier die Restaurierungswerkstätten für Grafik und Gemälde, Krakauer Krippen[1], Fotografie, Möbel, Textilien, Uhren und Metall direkt vor Ort untergebracht. Für Besucher ist das Schaudepot meistens an den Wochenenden im Rahmen von Führungen geöffnet.

 

Eine typische Krippe für den alljährlichen Wettbewerb, (Foto_Historisches Museum der Stadt Krakau)
Eine typische Krippe für den alljährlichen Wettbewerb. Foto: Historisches Museum der Stadt Krakau

Nur wenige Museen weltweit haben sich für eine ähnliche Präsentationsweise entschieden (Colorado State Museum in Denver, Museum aan de Stroom in Antwerpen, Library of Congress Museum in Washington, Jüdisches Museum in Wien) und somit ist in Polen diese Darstellung der Sammlungen einmalig. Neben den klassischen Führungen werden auch Vermittlungsprogramme für Schulen, Kinder und Erwachsene angeboten, wie zum Beispiel Detektivtouren durch die Depoträume. Nebenbei kann den Restauratoren in den offenen Studios über die Schulter, bzw. durch die Glasscheibe, zugeschaut werden. Dadurch soll ein besseres Verständnis für die Museumsarbeit hinter den Kulissen vermittelt werden. Die Öffentlichkeit nimmt die Angebote sehr gut an, sodass die Führungen immer schnell ausgebucht sind. Wer die Möglichkeit hat, einmal hier vorbeizuschauen, sollte sich diese Gelegenheit nicht nehmen lassen. Einziger kleiner Nachteil ist der Standort, da das Depot ein wenig außerhalb liegt; trotz alledem kann man es mit dem Bus aus der Innenstadt gut erreichen.

Mein letzter Tag im Musem, Michal Grabwoski, Kamila Buturla und Filip Obara
Mein letzter Tag im Musem mit Michal Grabwoski, Kamila Buturla und Filip Obara.

Neben den zahlreichen Museen darf ich die Personen nicht vergessen, die ihre Gespräche mit mir in Deutsch geführt haben und sich viel Mühe gegeben haben, mir die jeweiligen Treffen so angenehm wie möglich zu gestalten. Mit vielen guten Erinnerungen an meinen Aufenthalt und neuen Ideen für meine Arbeit im Museum bin ich nun wieder nach Leipzig zurückgekehrt und bin sicher, dass ich noch lange von diesem intensiven Austausch zehren werde.

 

Lina Frubrich
Wissenschaftliche Volontärin im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig


[1] Krippen haben eine ganz besondere Tradition in Krakau: https://www.youtube.com/watch?v=u8PHlrrMFgQ. Durch die jährlichen Wettbewerbe wurden viele Krippen in die Sammlung aufgenommen und auch im Ausland werden zur Weihnachtszeit viele Ausstellungen mit ihnen organisiert. Daher gibt es nun hier eine eigens für Krippen eingerichtete Restaurierungswerkstatt.

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