Deutsch-Französischer Arbeitsaufenthalt im Museum 2018

Ein Erfahrungsbericht
für Unentschlossene

 

Bereits seit 1996 wird das Austauschprogramm für VolontärInnen vom Deutsch-Französischen Jugendwerk organisiert. Hier der offizielle Link dazu:

https://www.dfjw.org/programme-aus-und-fortbildungen/arbeitsaufenthalte-im-museum.html

Ich gehöre nun zum 22. Jahrgang und möchte euch von meinen Erfahrungen berichten, die zwangsläufig sehr subjektiv sind. Ich hoffe, sie helfen euch trotzdem bei der Entscheidungsfindung.


Heimatmuseum

Frankreich zieht sich wie ein roter Faden durch meine Biografie: Französisch-Austausch in der Schule, ein ERASMUS-Semester in Paris während des Bachelors und obendrauf der Internationale Master Kunstgeschichte und Museologie (IMKM), der ebenfalls teilweise in der französischen Hauptstadt stattfand. Als dann noch eine ehemalige französische Kommilitonin und eine deutsche Teilnehmerin für das Programm trommelten, stand meine Entscheidung fest.
Auch von der Direktorin meines Museums, den Kunstsammlungen Chemnitz, erfuhr ich Unterstützung – allerdings sollte ich mit der Bewerbung bis zum zweiten Jahr meines Volontariats warten (hier der Hinweis: eigentlich ist es besser, sich im ersten Jahr zu bewerben, da man auf die Warteliste rutschen kann. So ist zumindest die Teilnahme im darauffolgenden Jahr gesichert).
Einziger, großer Haken: Die Stadt Chemnitz übernimmt für Volontäre keine Lohnfortzahlung. Da ich die erste Volontärin war, die am Programm teilnehmen durfte, war bereits diese „Freistellung ohne Lohnfortzahlung“ eine Errungenschaft.


Bewerbung

Fristgerecht bis zum 1. Dezember 2017 hatte ich alle Unterlagen eingereicht, das Programm selbst startet fünf Monate später – diesmal im April 2018. Jeweils zehn Plätze sind für französische und deutsche BewerberInnen vorgesehen. In diesem Jahr wurden erstmals deutsche BewerberInnen abgelehnt oder auf das kommende Jahr vertröstet. Da auf der französischen Seite kein Beschäftigungsverhältnis analog zum Volontariat existiert, sind die TeilnehmerInnen meist in der Unterzahl.
Für das Austauschprogramm sind die Zugangsbeschränkungen nicht allzu hoch – um anspruchsvolle Aufgaben zu bekommen, und den Schmerz zu reduzieren, den die Einheimischen empfinden, wenn man ihre Sprache verhunzt (ja, auch ich kenne diese leidenden Gesichter), würde ich dennoch ein gutes Französisch-Niveau empfehlen.


Cornelia vor dem Eingang des Musée de l'Orangerie
Vor dem Eingang des Musée de l’Orangerie.

Auswahl

Bei der Bewerbung konnten wir drei Wahlmuseen angeben, in denen wir gerne arbeiten wollen.  Ich hatte großes Glück, mir wurde nach der Zusage schon im Januar Bescheid gegeben, wo ich arbeiten werde.
Meine erste Wahl, das Musée de l’Orangerie in Paris, suchte gerade deutschsprachige Unterstützung für die Ausstellung „Franz Marc et August Macke. 1909-1914“, die im Frühjahr 2019 eröffnet werden soll.
Andere Teilnehmerinnen (wir waren eine reine Frauengruppe) hatten weniger Glück, sie erfuhren teilweise erst einen Monat vorher, wo sie arbeiten würden. Eine Teilnehmerin begann darum zwei Wochen später als geplant ihre Arbeit.


Vorbereitung

Vor dem eigentlichen Aufenthalt wurden wir als Gruppe in Berlin und Strasbourg miteinander bekannt gemacht und nahmen an zwei intensiven Workshops teil. Der inhaltliche Teil wurde vom Haus der Geschichte in Bonn und vom Service des Musées de France durchgeführt.
Wir besuchten verschiedene Museen und wurden mit Unterschieden zwischen beiden Ländern vertraut gemacht. Besonders die Bereiche Ausbildung, Verwaltungsstruktur und interkulturelle Konventionen wurden besprochen. Im sprachlichen Teil versuchten wir uns an der Tandem- bzw. Tridemmethode.
Ich hatte den Eindruck, dass damit eher das Teambuilding gefördert wurde als unsere Sprachkompetenzen – daher die Anmerkung zum nötigen Sprachniveau. Gemeinsame Erlebnisse und auch die Unterbringung in Doppelzimmern (die ehrlich gesagt nicht mein Ding waren) schweißten uns als Gruppe zusammen. Außerplanmäßig standen dank einer Teilnehmerin am Morgen gemeinsame Yogasessions auf dem Programm.


Finanzierung

Wie in der Ausschreibung zu lesen ist, werden die StipendiatInnen monatlich mit 900 Euro ohne Lohnfortzahlung oder 700 Euro mit Lohnfortzahlung unterstützt. Daneben übernimmt das DFJW die Kosten inklusive Unterbringung für die Workshops. Diese Finanzierung war für fast alle Teilnehmerinnen wegen der ungleichen Behandlung beider Gruppen der größte Kritikpunkt. In diesem Jahr gab es viele Teilnehmerinnen, deren Heimatmuseum den Lohn weitergezahlt hat; dafür sollten sie den Aufenthalt für kleine Recherchearbeiten nutzen. Eine durchaus lobens- und lohnenswerte Idee!

Mein „Abschlag“ wurde recht spät überwiesen, als ich schon mitten im Programm steckte. In Paris musste ich dann auf Erspartes zurückgreifen, um neben der Miete (die oft schon bei 700-900 Euro für ein 10 m² Studio liegt) meine Lebenshaltungskosten zu decken. Besonders jetzt im Juli spüre ich die finanziellen Auswirkungen. Sehnsüchtig warte ich auf die Reisekostenpauschale, die ganz am Ende gezahlt wird…


Arbeitsplatz-im-Musée-de-l'Orangerie
Mein Arbeitsplatz im Musée de l’Orangerie.

Aufenthalt im
Musée de l’Orangerie

Nach etlichen Problemen mit meiner Unterkunft (fragt unbedingt eure VorgängerInnen per Mail nach Tipps!) und anfangs ohne viel Kontakt zu anderen MitarbeiterInnen arbeitete ich mich langsam ein.
Ich befasste mich mit Recherchen zu den Künstlern Marc und Macke, durfte Leihgaben vorschlagen und später sogar den Ausstellungsparcours mitentwickeln. Da das Museum seit 2010 an das Musée d’Orsay angegliedert ist, nahm ich an Sitzungen beider Häuser teil.
Besondere Highlights: der Besuch im Centre Pompidou bei den Kuratorinnen der Grafikabteilung, das Durchblättern einer Originalfassung der „Prose du Transsibérien“, gestaltet von Sonia Delaunay in der Bibliothèque Jacques Doucet, und den Genuss der „Nymphéas“ von Monet, ganz für mich allein am Schließtag. Neben meinem persönlichen Blick durchs Schlüsselloch gönnte ich mir an den Wochenenden lange Spaziergänge durch die mir noch unbekannten grünen Ecken der Stadt (Tipp: einfach „balade insolite“ googeln 😉 )


Postkarten und Kataloge aus Frankreich
Postkarten und Kataloge aus Frankreich.

Fazit

Finanziell deprimierend, zwischenmenschlich und interkulturell tiptop.
In Chemnitz arbeite ich nun wieder an einem Projekt zu einem französischen Künstler…

 

Cornelia Posselt
Wissenschaftliche Volontärin in den Kunstsammlungen Chemnitz

 

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